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Historisches

Mittelalter


Als das Bier noch flüssiges Brot war: Kassels Brauerbe im Mittelalter

Schon im Mittelalter war Kassel ein Ort, an dem das Brauhandwerk tief im Alltag verwurzelt war. Bier war damals weit mehr als ein Genussmittel – es war nahrhaftes, durch das Sieden keimfreies „flüssiges Brot“ für Jung und Alt.

Das Brauen war im mittelalterlichen Kassel streng geregelt: Das sogenannte Braurecht (die Braugerechtigkeit) war oft an bestimmte Grundstücke oder Häuser der Altstadt gekoppelt. Wer dieses Privileg besaß, durfte für den Eigenbedarf und den Ausschank im Viertel brauen. Da sich kaum ein Bürger eine eigene, teure Anlage leisten konnte, nutzte man gemeinschaftlich betriebene Kommunbrauhäuser – ein wunderbares frühes Beispiel für gelebte Nachbarschaft und echte Craft-Bier-Gemeinschaft!

Gehopft wurde damals häufig mit regionalem Wildhopfen aus den nordhessischen Wäldern oder mit Kräutermischungen (Grut), was den damaligen obergärigen Bieren ihren ganz eigenen, urigen Charakter verlieh. Mit unserer kleinen Brauerei führen wir genau diese Tradition des ehrlichen, handgemachten und lokalen Bierbrauens in Kassel fort – nur mit moderner Präzision und derselben großen Leidenschaft wie die Braumeister von damals.

Cassel


Der Name unserer Stadt blickt auf eine über 1100-jährige, faszinierende Entwicklung zurück. Alles begann am 18. Februar 913, als König Konrad I. zwei Urkunden im damaligen Königshof unterzeichnete – die Geburtsstunde des schriftlich festgehaltenen „Chassalla“ (oder Chassella), was sich vermutlich vom lateinischen castellum (Befestigung/Burg) ableitet. In den darauffolgenden Jahrhunderten durchlief der Name zahlreiche lateinische und mittelhochdeutsche Abwandlungen: Von Cassella und Cassala über Cassalun bis hin zum schlichten Casle im späten 13. Jahrhundert.

Zwischen 1300 und 1600 existierten die Varianten mit „C“ und „K“ (Cassel und Kassel) wild durcheinander, bevor sich ab dem Barock um 1600 das edler wirkende „Cassel“ als feste, amtliche Schreibweise durchsetzte. Doch der Drang zur Eindeutschung blieb lebendig: Bereits 1873 unternahm der damalige Oberbürgermeister Nebelthau einen ersten Vorstoß, die Schreibweise mit „K“ einzuführen, scheiterte jedoch am Veto des preußischen Staates. Erst im Zuge einer bundesweiten Welle von Rechtschreibreformen genehmigte das preußische Staatsministerium schließlich den Beschluss der Stadtverordneten: Am 4. Dezember 1926 wurde aus dem historischen Cassel offiziell das moderne Kassel, wie wir es heute kennen.

Neuzeit


Mit dem Einzug der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erlebte die Kasseler Brauszene eine regelrechte Blütezeit. Bier war das Volksgetränk Nummer eins und der Durst der wachsenden Bevölkerung riesig. Zur historischen Hochzeit der Brauereivielfalt – etwa um das Jahr 1859, als auch die berühmte Martini-Brauerei in der Mittelgasse gegründet wurde – gab es allein im Stadtgebiet rund 20 aktive Brauereien. Zu den bekanntesten Namen gehörten damals Betriebe wie die Hessische Actien-Bierbrauerei in Wehlheiden, die Losch’sche Brauerei, die Brauerei E. Wentzell oder die spätere Herkules-Brauerei. Sie alle prägten mit rauchenden Schloten, riesigen Pferdefuhrwerken und tiefen, im Winter mit Fulda-Eis gekühlten Lagerkellern das Kasseler Stadtbild. Cassel war damals eine echte Metropole des Gerstensafts, in der handwerkliches Können auf modernste Dampftechnik traf.

Doch der Markt veränderte sich radikal. Im 20. Jahrhundert kam es zu einer Welle von Fusionen und Schließungen. Die traditionsreiche Herkules-Brauerei stellte in den 1970er-Jahren ihren Betrieb ein, und auch für die ikonische Martini-Brauerei endete die Ära in Kassel nach über 150 Jahren: Ihre Produktion wurde 2015 ins niedersächsische Einbeck verlegt, und auf dem alten Brauereigelände entstand ein modernes Wohnquartier. Nur die tiefen, unterirdischen Gewölbe zeugen dort heute noch von der einstigen Größe. Sogar die traditionsreiche Hütt-Brauerei im benachbarten Baunatal, die seit 1752 als feste regionale Institution galt, musste im Herbst 2025 nach 270 Jahren mangels Nachfolger schließen.

Was ist also heute von der Kasseler Bierherrlichkeit geblieben? Große Industriebrauereien sucht man im Stadtgebiet vergebens. Doch genau hier schließt sich der Kreis zur Geschichte: Das echte, handgemachte Bier kehrt dorthin zurück, wo es im Mittelalter anfing – in die Hände kleiner, lokaler Craft-Brauereien wie der unseren. Wir füllen das historische Erbe unserer Stadt wieder mit frischem Leben, handwerklicher Leidenschaft und echtem Charakter!

Brauerei Wehlheiden


Um 1874 gab es die Hessische Actien-Bierbrauerei in Kassel Wehlheiden auf dem heutigen Gebiet des Universitätsgeländes Dort wurden Biere nach Wiener, Münchner und vor allem auch Pilsener Art gebraut, so auch das für uns namensgebende “Casseler Actienbier“. 

Die Actien-Bierbrauerei war damals die erste Aktiengesellschaft im Großraum Cassel. Besonderes Augenmerk verdiente ein Gebäude in Form eines Fasses, die sogenannte “Fasshalle“. Sie war zu jener Zeit der größte Festsaal in Cassel. Hier wurden große Paraden, Empfänge und Festlichkeiten veranstaltet. Heute steht auf dem Gelände an der Wilhelmshöher Allee 71-73 die Ingenieursschule.  

UrCasseler Actienbier


Mit dem rasanten Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert veränderten sich auch die Strukturen der Kasseler Brauereien grundlegend. Um die enormen Investitionen in moderne Dampfmaschinen und riesige Kühlkeller finanzieren zu können, schlossen sich viele Privatbrauereien zusammen und gründeten Aktiengesellschaften – wie die auch die einflussreiche Hessische Actien-Bierbrauerei in Wehlheiden. „Actienbier“ stand damals für modernste Brautechnik, höchste Qualität und den Stolz einer aufstrebenden Industriestadt.

Genau an diese große Ära und die historische Schreibweise unserer Stadt wollen wir mit unserem UrCasseler Actienbier anknüpfen. Gegründet von Peter Braun wurde dieses Bier ins Leben gerufen, um ein Stück flüssige Stadtgeschichte zurück in die Kneipen und Regale der Region zu bringen. Es versteht sich als eine geschmackliche Hommage an die Blütezeit der Kasseler Braukunst – handwerklich gebraut nach alter Tradition, um die Erinnerung an die einstige Bier-Metropole an der Fulda lebendig zu halten. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie tief die Liebe zum handwerklichen Erbe in unserer Region verwurzelt ist! Dafür wollen wir einstehen.